Nichts gelernt aus den Krisen! - Eine Antwort auf die Grüne Jugend

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Die Grüne Jugend kritisiert in einem Blogeintrag vom 04.02.09 die Programmatik der Jungen Liberalen: "Nichts gelernt aus den Krisen!" Schlichtweg plump wirkt dabei der Versuch, die aktuelle Finanzkrise den Jungen Liberalen und ihren Konzepten unterzujubeln. Vermutlich ist es die Panik, auf absehbare Zeit keine Tagträumerkoalition im Bund zustande bringen zu können, die die Junggrünen dabei treibt. Außer man bediente sich der europafeindlichen SED-PDS, die mit Bündnis90/Die Grünen ja bereits trefflich zusammenarbeitet. Bizarr: Eine Partei, die sich aus dem Widerstand gegen die SED-Diktatur gründete, stimmt knappe 20 Jahre nach dem Mauerfall im Bundestag zusammen mit den ehemaligen Unterdrückern für ein Stückchen mehr DDR in Form von Mindestlöhnen. Dass ihr zusammen mit linksradikalen Hausbesetzern demonstriert, macht es übrigens nicht besser. Wer hat da nichts gelernt?

Auch war es übrigens Rot-Grün und nicht Liberale, die die problematische Finanzinstrumente in Deutschland erlaubt und eingeführt hat! Rot-Grün war es, die Bürgerrechte auch im Bankenbereich massiv beschränkt haben. Und der Lieblingskoalitionspartner SPD zerschlug Seit-an-Seit mit den schwarzen Sozialdemokraten der Union die Bankenaufsicht - stets kritisiert von Liberalen, die die Bankenaufsicht zentral unter dem Dach der Bundesbank organisieren wollten. Dies ließe sich fortsetzen. Vielmehr lohnt aber ein Blick in die Kritikpunkte der Grünen Jugend:

1. Staatsverschuldung: Mit dem Geld fremder Leute wirtschaftet es sich freilich unbeschwert. Zumal wenn diese Leute noch gar nicht geboren sind. Nachhaltigkeit heißt für uns Junge Liberale aber vor allem Generationengerechtigkeit. Jede Sekunde wachsen die öffentlichen Verbindlichkeiten in Deutschland um knapp 4.400 Euro. Der Schuldenberg steht bei bereits bei über 1.500.000.000.000,00 Euro und uns damit bis zum Hals.

2. Die JuLis setzten sich für mehr Kapitaldeckung bei der Rente ein. Bei der aktuellen demographischen Entwicklung ist alles andere weder finanzierbar noch ehrlich. Wir betonen dabei ausdrücklich alle drei Sockel einer Altersvorsorge. Und langfristig, wie nun mal Altersvorsorgen aufgebaut sind, rentiert sich trotz Auf und Abs eine private Anlage. Die Alternative heißt Altersarmut.

3. Wer Kohle, Gas und Atomstrom verbieten will, hat nicht nur ein energiepolitisches Problem. Wir JuLis betrachten alle fossilen Energieträger als Übergangstechnologien - auch die Kernkraft. Aber selbst wenn 2050 die Hälfte unseres Stroms durch Wind und Sonne produziert werden sollte - woher kommt der andere Rest? Aus den unsicheren AKWs Tschechiens und Frankreichs? Atomstrom ist nicht der Stein der Weisen. Ideologische Verbote genausowenig.

4. Als Liberale stehen wir wie keine andere politische Richtung für Chancengleichheit. Bildung ist für uns das Instrument für die Schaffung einer zukunftsgerechten Gesellschaft. Jeder JuLi-Landesverband entscheidet selbst über eigene Ideen für eine optimale Bildung. In Thüringen stehen wir für das Konzept einer durchlässigen Bildung zwischen "Bürgerschule" (bis Klasse 10) und "Gymnasium" (bis Klasse 12). Es sollen einzig Leistung und Fähigkeiten über die Zukunft eines Kindes entscheiden, nicht mehr seine soziale Herkunft. Damit grenzen wir uns deutlich sowohl vom konservativen Kastensystem als auch von rot-rot-grüner Gleichmacherei ab und bieten ein zukunftsorientiertes, unideologisches Konzept an. Was daran ein "Dinosaurier" sein soll, erwarten wir mit Spannung.

Liebe Grüne Jugend! Dort, wo die Liberale regiert, geht es den Menschen gut. Dort, wo Grüne regieren, wird Geld verpulvert, wächst die Arbeitslosigkeit und steigt die Staatsverschuldung. Es ist nicht sonderlich clever, einer Partei und ihrer Jugend, die nun bereits (leider) seit 10 Jahren lang nicht mehr regiert, die Schuld für die Finanzkrise zu geben. Ihr hattet 7 Jahre lang Zeit. Was ist daraus geworden? Ein bisschen mehr Selbstkritik wäre durchaus angebracht!

Eure Erfurter JuLis

Reaktionen aus dem WWW

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Kommentare

Ob die deutschen AKWs

Ob die deutschen AKWs sicherer sind, besprechen wir nochmal, wenn ein davon hochgeht. Wer für Atomkraftwerke streitet, arbeitet gegen die Bevölkerung! Dann gibt es auch die netten Argumente, die da sagen, dass es "volkswirtschaftlich" keinen Sinn mache, Atomkraftwerke zu schließen. Ist es nicht immer wieder beruhigend, dass es "volkswirtschaftlich" keinen Sinn macht, Leben zu schützen.

Korrektur

Liebe Julis,

bitte achtet doch mehr auf richtiges Schreiben. Es muss heißen: Eine Antwort an die Grüne Jugend.

Grüße

Also was nun die

Also was nun die Finanzaufsicht unter dem Dach der Deutschen Bundesbank angeht, möchte ich euch darauf hinweisen, dass sowohl der derzeitige Bundesbankchef Weber als auch euer Parteifreund und ehemalige Bundesbankchef Tietmeyer eine Finanzaufsicht unter dem Dach der Bundesbank wegen möglicher Interessenskonflikte zurückgewiesen haben. Vielleicht solltet ihr in dieser Frage mehr auf die Experten in der eigenen Partei hören.

Und soweit ich weiß, gibt es ja von den JuLis auch einen Beschluss aus den 90ern, der die sofortige Zulassung und Hedge Fonds fordert, die ja nun auch ein wesentlicher Käufer strukturierter Finanzprodukte höherer Tranchen waren.

Zum Thema eures ursprünglichen Beitrages wäre zu sagen: Ein Verschuldungsverbot wird von Ökonomen jeglicher Couleur abgelehnt, ich kenne eigentlich keinen renommierten Ökonomen, der das befürwortet. Man kann nun wahrhaftig der Staatsverschuldung kritisch gegenüberstehen, dass in Krisenzeiten aber nicht auch Kredite aufgenommen werden sollten, ist in der Wissenschaft relativ unstrittig. (Man stelle sich mal vor was an den Finanzmärkten nicht los wäre, wenn die Bundesregierung es unterlassen hätte...nicht auszudenken...)
Außerdem kann man auf Pump leben und von der Substanz. Ich komme ja nun aus Bayern und wenn ich mir den Zustand der öffentlichen Gebäude dort ansehen, wie bespielsweise der Universität Regensburg, dann muss dem Obersten Rechnungshof doch recht geben, der die Sparpolitik der Regierung Stoiber als langfristig teurer bezeichnet hat als eine schuldenfinanzierte Sanierung. Und dass das bayerische Schuldenverbot ein schlechter Witz ist, weil es mit einfacher Mehrheit aufgehoben werden kann, wird uns die schwarz-gelbe Regierung schon bald demonstrieren.

Zur Atomenergie lasse ich mich jetzt nicht aus, weise nur darauf hin, dass die ungelöste Endlagerungsproblematik mit der prokalmierten Generationengerechtigkeit nicht vereinbar ist.

Und zu dem letzten, doch sehr kleinkarierten Kommentar: Die älteste rot-grüne Regierung sitzt in der Landeshauptstadt München, seit 1990, München ist auch eine erfolgreichsten Städte Europas und ohne München sähe die Bilanz des Freistaats doch etwas anders aus. Auf Platz zwei und drei der erfolgreichsten Städte Deutschlands sind Frankfurt und Hamburg, beide derzeit von den Grünen regiert. Also so einfach scheint der Zusammenhang ja nicht zu sein...

Erst lesen, dann schreiben

Der Standpunkt der JuLis ist bei den Atomkraftwerken eigentlich sehr logisch. Mit aller Macht versuchen auf EE umzuschwenken, gleichzeitig aber das Klima im Blick haben und CO2 vermeiden wo es geht - wenn alle Grünwähler ab sofort ihren Energiebedarf auf null reduzierten könnte man dabei vielleicht ein paar AKWs abschalten, aber Selbstreflektion ist ja nicht gerade die Stärke der Grünen.

Was die Sicherheit der AKWs angeht hat Deutschland vielleicht nicht nur die sichersten, aber ist zumindest ganz vorne dabei, denn die konstruierte Sicherheit ist die eine Sache, die Sicherheitsstandards ist die andere und da hat sich Deutschland wenig vorzuwerfen (Detailfragen außen vor gelassen, z.B. Transparenz und Informationspolitik).

Und das mit dem "Leben retten" ist nach den Jahren rot-grüner Gesundheitspolitik bestimmt ein Scherz gewesen, anderenfalls wäre das nach den wirklich armseligen Kritikpunkten der Grünen Jugend an den JuLis ein weiterer Tiefpunkt einer argumentativ ungleichen Diskussion.

Deutsche Technologie

@dinensio:
Du schreibt, dass die Sicherheitsstandards der deutschen AKWs ja so toll sind. Das mag stimmen, wenn man sich die Relationen zu anderen Ländern anschaut. SICHERER werden die AKWs dadurch nicht. Im Jahr 2006 gab es einen erheblichen Störfall im schwedischen AKW Forsmark, da versagte deutsche Technologie!

Und im AKW Biblis fallen regelmäßig die Dübel aus den Wänden. Hinzu kommt wie gesagt das ungelöste Endlager. Die Asse in Niedersachsen wird ja grade zu einem extremen Problem, weil der Salzstock ungeeignet ist und der radioaktive Müll langsam ins Grundwasser sickert. Außerdem macht uns Uran ja wohl auf lange Sicht gesehen mehr als abhängig! Schließlich haben wir keine Uran Vorkommen und müssen diese importieren.

Mehr Infos hierzu: http://www.boell.de/oekologie/klima-energie-3557.html

Liebe Julis, bevor ihr eure

Liebe Julis,
bevor ihr eure Antwort verfasst habt, hättet ihr vielleicht den Eintrag auf blog.gruene-jugend.de lesen sollen. Folgende Aussage kann ich mir nur so erklären, dass ihr den Text nicht aufmerksam gelesen habt. "Schlichtweg plump wirkt dabei der Versuch, die aktuelle Finanzkrise den Jungen Liberalen und ihren Konzepten unterzujubeln. "

An einer keiner Stelle wird euch oder der FDP die Schuld an der Finanz- und Klimakrise zugewiesen. Gezielt an Argumenten vorbeireden und neue Vorwürfe erfinden ist nicht die feine Art.

Was ein menschenwürdiger Lohn mit der SED-Diktatur zu tun hat ist mir schleierhaft. Auch hier gilt wohl der Grundsatz: Polemik statt Inhalte.

Eine Auseinandersetzung auf dem Niveau lohnt sich nicht und daher endet mein Beitrag hier.

Grüße
Arndt

also...

... die Grüne Jugend ist viel besser als die JuLis.
Das wollte ich nur mal sagen.

Ja. Und die Liberalen setzen sich halt viel lieber in ein gemachtes Bett, und jemand anders darfs wieder sauber machen. So schauts aus!

Antwort

@Anhalter: Was Forsmark betrifft geht es um Standards, nicht um die Technologie, denn die Technik, das wissen wir alle, ist immer nur so gut wie der Mensch, der sie bedient.

Was Biblis angeht steht das AKW seit diesem Vorfall still, wo also ist das Problem? Wie gesagt in der Informationspolitik vor allem, da sollte man die Standards erweitern.

Was Asse angeht, das ist ein Versuchsbergwerk, in dem wohl durch illegale Vorgänge nicht nur das erlaubte Material eingelagert wurde; das ist ein Verbrechen und muss geahndet werden, falls sich da jemand etwas hat zu Schulden kommen lassen - was bereits nach aktuellem Recht durchaus möglich wäre.

Ansonsten ist die Endlagerfrage natürlich ein heißes Thema und ich bin auch dafür, in ganz Deutschland ergebnisoffen nach Alternativen zu suchen, aber wegen ein paar Prozent mehr Atommüll ganz Deutschland mit neuen Kohlemeilern zupflastern? Ist es das was die Grüne Jugend nachhaltig nennt?

@Anonymous: Die Finanzaufsicht unter einem Dach hat durchaus Vorzüge, das kann man nicht in Bausch und Bogen abtun. Was die Hedge-Fonds angeht sind einige von denen die derzeit so ziemlich letzten Investoren, die wirklich noch Geld investieren und sich nicht abschotten. Diesen die Schuld an der Finanzkrise zu geben ist größtmöglicher Blödsinn, wenn sie falsche Produkte kaufen müssen sie das ihren Kunden erklären, sie haben diese Giftpakete jedenfalls nicht gepackt.

Und wenn eine Jugendorganisation einer Partei sich für schuldenfinanzierte Wünschdirwas-Politik eintritt, scheint die Nähe zur Linken nicht allzu weit hergeholt. Was derzeit geschieht sind doch ganz klar Maßnahmen, die auf Kosten der Substanz gehen, bei der aktuellen und vor allem der zukünftigen Zinslast ist das ein Teufelskreis, der gerade für die junge Generation, die eine Jugendorganisation meist vertreten möchte, sehr verhängnisvoll ist - aber vielleicht hat die Grüne Jugend ja eine andere Zielgruppe. Was Generationengereichtigkeit allerdings dann wieder mit einem Minimalen Mehr an Giftmüll zu tun hat weiß ich beim besten Willen nicht, denn der Müll ist zum allergrößten Teil schon da und das schon vor dem anvisierten Atomausstieg in zehn Jahren - seltsam oder?

Und wer Äpfel mit Birnen vergleichen will, braucht dabei nicht erst überregional gepäppelte Städte wie München und Frankfurt ins Feld zu führen, deren Boom ist nicht die Folge einer bestimmten Kommunalpolitik, sondern einer ganz klaren Länderentscheidung, begünstigt vielleicht durch gute Kommunalpolitiker. Das ist allerdings kein Privileg der Grünen, da ließen sich ebenso viele Gegenbeispiele anfügen, ich beispielsweise lebe in einem solchen. Und dass Städte grundsätzlich ein anderes Wahlverhalten zeigen als ländliche Bereiche ist sicher auch schon dem ein oder anderen aufgefallen - was sich bei Argumenten der oben angesprochenen Klasse vielleicht demnächst ändert...

@Arndt: Gut, damit wären dann

@Arndt: Gut, damit wären dann auch die anderen Kommentare gegen die finanzpolitische Expertise der Liberalen als unqualifiziert abgetan. Was die Mindestlohnkritik angeht ist der Vergleich vielleicht nicht ganz ausdifferenziert in dem Artikel, kann nur vermuten, dass das nicht auf Diktatur sondern auf Gleichmacherei hinauswollte - aber darauf kommen die meisten Leser vielleicht selber ;-)

Was die Uranvorkommen angeht: Der Atomausstieg ist wohl konsens, nur halt nicht schon in zehn Jahren machbar, wenn man eine verantwortliche Politik machen will. Die Uranvorkommen sind aber im Gegensatz zu Öl und Gas zumeist in "stabilen" Ländern zu finden, z.B. Kanada, was ich eher als Vor- denn als Nachteil ansehe.

Naja, was die Finanzaufsicht

Naja, was die Finanzaufsicht angeht: Natürlich gibt es Vor- und Nachteile. Aus Sicht der Leute bei der Bundesbank, denen ihr ja mehr Macht geben wollt, überwiegen anscheinend die Nachteile. Wäre ja das erste Mal, dass eine staatliche Institution von sich heraus auf Kompetenzen verzichtet...

Zum Thema Hedge Fonds: Sie tragen natürlich nicht die Alleinschuld, aber als wesentliche Käufer riskanterer und illiquiderer Tranchen waren sie doch ganz wesentlich Teil der Blase bei strukturierten Finanzprodukten. Und die Behauptung, dass sie nun die einzigen seien, die sich nicht abschotten würden, das ist nun der eigentliche "Blödsinn", um dich zu zitieren. Also wenn du mal in den vergangenen Wochen in den Wirtschaftsteil deiner Zeitung geschaut hast, dann wirst festgestellt haben, dass die Hedge-Fonds-Branche seit September Mittelabflüsse von 40% hat erleiden müssen, und der Verfall der Verfall der Wertpapierpreise ganz wesentlich auf Panikverkäufe von Hedge Fonds zurückzuführen ist. Wahrlich trägt diese Industrie nicht zur Stabilisierung der Finanzmärkte bei - sie war ein nicht zu vernachlässigender Teil der Blase, die nun geplatzt ist. (Deswegen bin ich nicht prinzipiell dagegen, genau so wie ich nicht prinzipiell gegen Verbriefung bin, nur um eventuellen Unterstellungen vorzubeugen.)

nun gut,

Von der Finanzkrise zu den Hausbesetzer_innen. Diesen Schwenk hab ich bis jetzt nach mehrmaligem Durchlesen noch nicht verstanden, aber was solls.

Die Frage ist doch, ob ausgerechnet euch Julis es hier in Thüringen nutzen wird, von der Bevölkerung breit unterstützte Projekte wie das besetzte Haus und die kulturellen wie historischen Stätten dort anzugreifen. Aber wie ihr euch wohl auch schwerlich mit dem Blogartikel in vernünftiger Form auseinandersetzen wolltet, habt hier das im Zweifelsfall auch in der Thematik nicht geschafft.

Ahja und zum Thema Bürger_innenrechte, wär ich ja ganz still, wenn ich an Onlinedurchsuchung und NRW denke. Wenn hier schon Vorwürfe an die Altpartei der Jugendorganisation zugeschoben werden.

Schlechter Stil.

Nun, ein Nachtrag muss

Nun, ein Nachtrag muss erlaubt sein: Dwight D. Eisenhower hat einmal gesagt, "If you can't solve a problem, extend it." Die Philosophie, die von den JuLis im Bezug auf Atommüll vertreten wird, scheint sich ganz nach Ikes Rat zu richten. Genausogut könnte man argumentieren, dass es bei der derzeitig hohen Staatsverschuldung auf das bisschen Defizit auch nicht mehr ankommt. (Was ich nicht tue, damit keine Missverständnisse aufkommen.)

Und was den Äpfel-und-Birnen-Vorwurf angeht: Ich vergleiche deutsche Städte wie München, Hamburg und Frankfurt mit anderen deutschen Städten. Sowohl Hamburg als auch München haben sind nach dem 2. Weltkrieg weitaus länger als andere deutsche Städte von der SPD regiert worden. Sie sind außerdem erfolgreicher als andere deutsche Städte, das mag nun mit der Kommunalregierung zusammenhängen oder nicht, das gegenteilige Diktum, welches hier verbreitet wird, dass liberal regierte Städte erfolgreicher seien ist jedem Falle falsch.

Und dass Hamburg nun besonders von der Landesebene "gepäppelt" worden sei, kann in jedem Falle als unsinnig zurückgewiesen werden, Hamburg zahlt seit jeher in den Länderfinanzausgleich, und dass die in Bayern traditionell schwarze Landesregierung das traditionell rote München in besonderer Art und Weise mit Geld bewerfen würde, ist so auch nicht richtig. (Wobei man fairerweise zugeben muss, dass der Freistaat einige Projekte initiiert hat, wie beispielsweise den Flughafen oder Airbus. Aber das sicherlich nicht, weil man die Stadt päppeln wollte, sondern einfach weil da halt Firmen wie die Münchner Rück, die Allianz, SIEMENS und BMW angesiedelt sind und die Infrastruktur brauchen.)

Kurzum: Worum es mir eigentlich ging, ist nicht zu behaupten, dass jene Städte aufgrund ihrer Regierungen so viel erfolgreicher sind, sondern eher darum, dass das Gegenteil, dass dort wo die Liberalen regieren es denn Menschen besser gingen definitiv falsch ist. Alles andere ist eine Frage des Glaubens.

Typisch Julis, snobbish from

Typisch Julis, snobbish from the Start.

Jeder Juli hätte doch gerne seinen 5-Eur Chauffeur
Jeder Juli hätte doch gerne seine 5-Eur Putze

Nice!

Mindestlohn soll Sozialismus sein?

Liebe Jungliberale,

wenn ich euch richtig verstehe fängt bei euch beim Mindestlohn der Sozialismus an. Dann sind also England, Frankreich, Luxemburg, sogar die USA sozialistische und undemokratische Staaten? Die Logik dahinter müsst ihr mir nochmal erklären.

Der Mindestlohn ist eines der wichtigsten staatlichen Instrumente um einen Mindestwert der Arbeit festzulegen. Das dies notwendig wird zeigt das der Markt eben nicht in der Lage ist soetwas selbstständig zu regeln, denn menschenwürdiges Leben ist kein Kriterium an denen sich der Markt ausrichtet. Deswegen ist es die Aufgabe des Staates an diesem Punkt zu regulieren.

Vor großer Auswanderung vieler Unternehmen ins ach so billige Ausland bei der Einführung eines Mindestlohns habe ich keine Angst. Ich glaube mein Friseur bleibt da wo er gerade ist. Auch die Reinigungsfachkraft am Bahnhosklo oder die Mc Donaldsmitarbeiterin wird wohl ihren Arbeitsplatz behalten. Nur werden sie alle etwas besser von ihrer Arbeit leben können.

Zum Thema Schulden lässt sich sagen das die Stimmung die gerade die Liberalen immer wieder verbreiten man stände vor dem Staatsbankrott unglaublicher Schwachsinn ist. Solange es noch eine funktionierende und stabile Volkswirtschaft gibt brauchen wir keine Sorge um einen Staatsbankrott haben. Die hohen Schulden sind übrigens ein Ergebnis der Neo-Liberalen Wirtschafts- und Abgabenpolitik. Immer wieder wurden staatliche Investitionen in die Infrastruktur genutzt um aus wirtschaftlichen Krisen herauszukommen. Damit verbunden war auch immer wieder eine relativ hohe Neuverschuldung. Das wäre nie ein Problem gewesen, denn Sinn und Zweck des ganzen ist es durch die Investitionen einen Aufschwung zu erwirtschaften und dann durch erhöhte Steuereinnahmen durch ein gestiegenes Durchschnittseinkommen, bessere Kaufrkraft und damit gestiegenen Einnahmen durch Konsumsteuern etc. den Haushalt wieder zu konsolidieren und an die Rückzahlung der Schulden zu gehen. Dummerweise kommen da die Liberalen und die CDU, zu gewissen Zeiten leider auch die SPD, daher und schwafeln was von Steuern runter. Die Massenzeitungen springen drauf an, machen nette Sticker und schon werden Steuern und Abgaben fröhlich gesenkt und der finanzielle Erfolg des Aufschwungs für den Staatshaushalt total zunichte gemacht. Wir brauchen in Deutschland nicht noch niedrigere Steuern, wir brauchen höhere. Die Tobin-Steuer wäre ein Anfang, eine Vermögenssteuer ebenfalls. Auch der Steuerhöchstsatz der Einkommensteuer verträgt noch ein paar Protentpunkte nach oben.

Der Staat muss es endlich wieder schaffen zu vermitteln warum dies Notwendig ist. Alle heulen rum das die Staatsverschuldung zu hoch ist, niemand will aber seinen/ihren Teil dafür tun das sie gesenkt wird. Wenn man von Generationengerechtigkeit durch eine niedrigere Staatsverschuldung redet, muss man auch erklären woher das Geld kommt. Das kommt eben nicht aus dem nichts, sondern kann nur durch höhere Abgaben realisiert werden. Natürlich haben die Jungliberalen auch Pläne wo das Geld herkommen soll. Besonders die Sozialausgaben könnten doch weiter gesenkt werden. Wieso soll ein Hatz IV Empfänger denn überhaupt sich noch was zu essen kaufen und eine Wohnung haben? Kostet uns arbeitende Bevölkerung doch nur was. Wieso soll ich mich mit dem solidarisch zeigen? Ganz einfach lieber Juli, du könntest in der gleichen Situation landen, schneller als es dir lieb ist. Die Mär vom faulen Hartz IV Empfänger der nur biertrinkend, rülpsend und fernsehglotzend auf dem Sofa sitzt ist idiotisch. Die meisten sind unverschuldet in diese Situation gekommen und kommen ohne Hilfe da auch nicht mehr heraus. Es gibt nur wenige die das System tatsächlich ausnutzen, die verträgt das System aber. Ein Staat ist nunmal auch eine Solidargemeinschaft. Zu einer Solidargemeinschaft gehört nunmal auch der Umverteilungsgedanke. Wer viel hat, gibt denen etwas die wenig oder nichts haben. Als würde es denjenigen mit Gehältern um die 2 Millionen im Jahr tatsächlich weh tun wenn sie 2 bis 5 Prozent mehr Steuern zahlen, aber sie würden damit vielen anderen Menschen die nicht dasselbe Glück hatten wie sie helfen.

Was das Bildungskonzept der Julis angeht kann ich wenig sagen, aber ich kann euch sagen wie das Konzept der GJ aussieht und das ist bei weitem nicht ideologisch sondern das progressivste, emanzipatorischte und damit auch vom grundsatz her liberalste Schulkonzept das ich kenne. Der Vorwurf der Einheitsschule ist da vollkommen unangemessen und zeugt von einem sinnlosen Beisreflex ohne längeres Nachdenken, schade eigentlich. Hier der Link zum Basisschulkonzept: http://www.gruene-jugend.de/beschluesse/verband/435103.html

Ich freue mich auf die Auseinandersetzungen im Wahlkampf. Die Wahlen in Hessen haben gezeigt, die FDP ist die neue Protestpartei. Wer Protest wählt, wählt nicht mehr links oder rechts, sonder inhalts- und aussagelos, sprich die FDP...

die LDPD-Nechfolgeorganisation

sollte im Umgang mit der Linken/PDS/whatever nicht ganz so vorlaut sein.

Eins, zwo, drei, vier

Eins, zwo, drei, vier Antworten: Japp, das müssten dann wohl sämtliche Mitglieder der Grünen Jugend Thüringen gewesen sein? Vielleicht sitzt der Rest aber noch im Besetzten Haus Erfurt und demonstriert vor sich hin.

Mindestlohn ist grober Unsinn, wenn man den Menschen gleichwohl ein Mindesteinkommen durch eine Negative Einkommensteuer ermöglichen könnte. Dann erziele ich den gleichen Einkommenseffekt, nur anreizkompatibel und ohne ein weiteres Millionenheer Arbeitsloser zu produzieren. Wer hatte denn von euch die göttliche Eingebung von genau 7,50 Euro gehabt und weiß, dass hierbei keine Arbeitsplätze verloren gehen? Hey, kommt, was soll der Geiz: Warum nicht gleich 15, 25 oder 35 Euro Mindestlohn? Passiert doch nix! Und Managergehälter von oben deckeln auf - sagen wir - ja: 35 Euro! Perfekt: Der sozialistische solidarische Einheitslohn!

Außerdem glaube ich nicht, dass die Liberalen verdächtig sind, heute mit der PDS zusammenzuarbeiten. Ihr schon! Einem Bündnis-90er müsste doch - gelinde gesagt - übel werden, angesichts so etwas:

Bitte nicht krummnehmen, aber ich weiß nicht, wozu man heute eine Grüne Jugend braucht. Wo unterscheidet ihr euch denn noch von des Jusos? Die wollen auch aus allem aussteigen: Atomkraft, Soziale Marktwirtschaft, Demokratie - wahrscheinlich auch aus der SPD. Und wenn ich dann sehe, dass auch die Rechten gegen Hartz IV, für Mindestlohn und gegen Globalisierung demonstriert - genau wie ihr - dann weiß ich, dass der freiheitlich-demokratische Gegenpol zu "rechts" nicht "links" und schon gleich gar nicht "grün", sondern liberal ist!

PDS, PDL, LINKE, SED, BLA BLA

Mensch JuLis, bleibt doch mal sachlich. Ist es euch nicht peinlich, hier immer und immer wieder die rote Socken Keule rauszuholen? Wir lachen über diese Argumente und ihr tippt ganz umsonst auf eurer Tastatur herum. Inhalte sehen anders aus, zeigt uns doch bitte mal wie ihr ordentlich argumentieren könnt. Soviele Argumente habt ihr bisher ja noch nicht gebracht. :)

Marktwirtschaft

Also ich höre aus den Reihen der FDP prinzipiell nur die Wörter Wettbewerb und Marktwirtschaft. Soziale Gerechtigkeit vernehme ich von euch nicht. Und der Vergleich zu den Jusos: der linke Flügel der Jusos und die Grüne Jugend haben viele inhaltliche Überschneidungen, das ist klar. Aber dein Vergleich zu den Rechten ist absolut abstrus: die Rechten argumentieren aus einer nationalistischen Perspektive, wohingegen wir als GJ einen kosmopolitischen Politikansatz verfolgen.

Die JuLis haben über Jahre

Die JuLis haben über Jahre hin in die FDP hineingewirkt und sind stolz, dass wir als Liberale ein wirklich vernünftiges Sozialkonzept vorgelegt haben: Das Liberale Bürgergeld. Es beweist, dass man Sozialpolitik auch mit Köpfchen machen kann, nicht nur mit gut gemeinten, aber letztlich Fehlanreize auslösenden Ideen wie dem Mindestlohn. Er schadet doch letztlich genau denjenigen, denen er helfen soll: Menschen, deren Entlohnung einfach nicht ausreicht. Ein Mindestlohn kann da nicht weiterhelfen, weil er die verschiedenen Lebenssituationen nicht berücksichtigt. Eine Familie mit 2 Kindern käme auch mit einem Mindestlohn von 7,50 Euro nicht zu Rande und braucht Ergänzungen. Daher das Liberale Bürgergeld mit folgenden Kernpunkten:

  • Verbindung von Steuer- und Sozialsystem: Oberhalb des Einkommens x zahlt man eine Steuer, unterhalb erhält man eine "negative" Steuer zurückerstattet (damit keine 100 %-ige Aufstockung bis zum Betrag x wie beim klassischen Kombilohn - Unternehmen werden nicht aus Verantwortung entlassen)
  • Bündelung aller Sozialleistungen und damit massive Entbürokratisierung. Auszahlung erfolgt über das Finanzamt, das sowieso über die Einkommensdaten verfügt - "Hose runter" vor Arbeitsagentur, Kindergeldstelle usw. entfällt damit
  • Umkehrung der Philosophie des Sozialstaates: Man wird belohnt fürs Mitmachen - für jedes Mitmachen - und nicht mehr fürs Fernbleiben vom Arbeitsmarkt. Folge: Zurückdrängung der Schwarzarbeit
  • Vorteil zum Mindestlohn: Arbeitsplätze werden sogar geschaffen, nicht vernichtet. Soziale Korrektur erfolgt nach der Marktpreisfindung (Lohn), nicht davor wie beim Mindestlohn

Ein Überblick: http://www.fdp.de/files/653/Das_Liberale_Buergergeld_050505.pdf

Es ist also nicht wahr, dass sich Liberale nicht mit dem Sozialstaat befassen - im Gegenteil. Wir sind nur nicht der Meinung im Gegensatz zu den 4 anderen sozialdemokratischen Fraktionen im Bundestag, dass die Formel "Mehr Geld = sozialer" immer korrekt ist. Sondern es ist eine Frage der Struktur des Sozialsystems. Wir nennen das Leistungsgerechtigkeit, weil "soziale Gerechtigkeit" eine Worthülse ohne Inhalt (Hayek: "weasel word") ist - was soll denn "unsoziale Gerechtigkeit" oder "soziale Ungerechtigkeit" sein?

Was meint die Grüne Jugend zum Liberalen Bürgergeldentwurf?

Eine Entgegnung

"Was meint die Grüne Jugend zum Liberalen Bürgergeldentwurf?"

Also ich versuche dem mal zu entgegnen. Wenn ich das richtig verstanden habe, dann soll in Zukunft das Finanzamt für die Zahlung der Gelder verantwortlich sein und in Form einer negativen Einkommenssteuer niedrige Einkommen bezuschussen (geht glaube ich auf die Idee Milton Friedmans zurück).
Aber in dem Antrag steht auch drin:
"Wer staatliche Leistungen in Anspruch nimmt muss auch zu einer zumutbaren Gegenleistung bereit sein“. Ziel ist „die Aktivierung der Arbeitslosen hin zu einer regulären Erwerbstätigkeit.“ "

Die Mittel die dazu angewendet werden sollen heißen bei euch Bedürftigkeitsprüfung oder Bereitschaft zur Arbeitsaufnahme. Hört sich für mich sehr nach Hartz IV nur im neuen Gewand an.

Außerdem soll, ähnlich wie bei Hartz IV, die Bedarfsgemeinschaft erhalten bleiben; also werden die Finanzämter auch weiterhin das Privatleben der Menschen rücksichtlos durchsuchen um zu schauen, ob diese Menschen wirklich Hilfe benötigen.

Ihr baut das Finanzamt zu einer Megabehörde aus, die alles regulieren soll. Finde ich ja lustig, dass das gerade die FDP fordert als Verfechterin der Dezentralisierung und des Bürokratieabbaus.
Auch euer Bürgergeld entfernt sich von der Ideologie, dass nur "Leistungsdenken" gefördert wird. Die klassische Erwerbsarbeit wird umstandslos begünstigt und andere Formen der Beschäftigung werden meiner Meinung nach diskriminert.

Fazit: ich ziehe lieber das Bedingungslose Grundeinkommen vor.

Natürlich gibt es das

Natürlich gibt es das Liberale Bürgergeld nicht ohne Bedürftigkeitsprüfung. Das sind wir den hart arbeitenden Steuerzahlerinnen und Steuerzahlern einfach schuldig! Und da unterscheiden wir Liberale uns natürlich deutlich vom Althauskonzept ("Solidarisches Bürgergeld")! Leider muss ich dem Bed. Grundeinkommenskonzept, so angenehm und wohltuend es klingt (!), eine Gutmenschen-Denkweise unterstellen. Wer putzt gerne Toiletten? Wer schraubt gerne Kugelschreiber zusammen? "Arbeiten, weil ich es will, nicht weil ich es muss" - diese Philosophie hat bei diesen Jobs einfach keine Chance! Michel Friedman bringt es - okay, recht polemisch - dazu auf den Punkt:

Die Mammutbehörde ist durch das Liberale Bürgergeld nicht zu befürchten, das Finanzamt arbeitet genau so wie bislang! Das Bürgergeld wird eben automatisch ausgezahlt ohne große weitere Antrags- und Überprüfungsmechanismen. Beispiel: Bislang musste für Hartz IV gewisse Vermögenswerte offengelegt werden. Eigentlich unsinnig, da bei höheren Vermögen Einkommen aus Zinserträgen erzielt werden, die gegenüber dem Finanzamt angegeben werden müssen. Von daher ist das wirklich eine clevere Variante, ein Beitrag zum Schutz der Privatssphäre und des Datenschutzes.

Würdet ihr denn wenigstens das Lib. Bürgergeld als Verbesserung zum status quo verstehen?

(Ich freue mich übrigens, dass hier nun nicht nur polemisch dabattiert wird.)

Wer sind eigentlich die Julis?

Während die Rot-Grüne Regierungszeit mehr als 1.5oo.ooo Menschen in Arbeit gebracht hat, was zweifelsohne der Erfolg der Agenda 2010 ist, sorgten und sorgen Marktradikale "Liberale" und "Christ"demokraten dafür, dass durch unverbesserlichen Turbokapitalismus die Weltwirtschaft zusammenbricht. Rot-Grün hat von 16 Jahren FDP eine riesigen Schuldenberg geerbt, dazu noch Millionen Arbeitslose und Millionen gefährdete Jobs die alle nach und nach einbrachen. Dank der Arbeit der Schröder Regierung konnten neue Jobs geschaffen werden.

Und nicht nur in Wirtschaftsfragen, auch in der Gesellschaftspolitik haben Bündnis90/DieGrünen in ihren 7 Jahren Regierung mehr erreicht, als die FDP in ihren 30 Regierungsjahren zuvor. Beispiele dafür sind u.a. die Einführung der Lebenspartnerschafft für Homosexuelle und die Arbeit an und für ein neues und modernes Staatangehörigkeitssystem.

Und auch in der derzeitigen Legislaturperiode kommen die inhaltlichen Anträge von den Grünen. Die FDP schwebt auf ihren Rechtsaußen Sitzplätzen in einem Nirvana zwischen Hilflosigkeit im Angesicht der Opposition ohne CDU Unterstützung und Vertuschung der Kompetenzlosigkeit mit Hilfe der Guido-Show.

Alles in allem ist zu sagen: Wer sind eigentlich die Julis?

juli-mitgliedschaft

wieso, zum teufel, kostet eine juli-mitgliedschaft selbst für fdpler eigentlich noch extra beitrag?

ist das die neue form des internen kapitalismus, dass die fdp nicht mal ihren eigenen jugendverband mit frdert, sondern schön dazu anhält, selbst die jungen mitglieder zu schröpfen.

wer junge & liberale politik machen will, soll zweimal zahlen, wer nur liberale politik machen will, aber genauso jung ist, zahlt nur einmal?!

herzlichen glückwunsch, die fdp ist die erste partei, bei der mit steigendem alter (und dadurch steigendem einkommen) die beiträge erstmal billiger werden... *kopfschüttel*

Liberales Bürgergeld

Also ich bin sowohl gegen das sogenannte Liberale Bürgergeld als auch gegen die Idee eines Bedingungslosen Grundeinkommens, in erster Linie weil beide Ideen nicht finanzierbar sind.

Aber weil ich hier auf dem Blog der JuLis bin, lasst mich etwas genauer mit der Idee einer negativen Einkommensteuer auseinandersetzen: Die Grundidee hinter diesem Konzept ist, dass ein ausreichendes Lohnabstand eingehalten werden muss, d.h. dass jemand, der arbeitet deutlich mehr verdienen muss, als jemand, der von Sozialleistungen lebt, weil sonst kein Anreiz bestünde, Arbeit aufzunehmen. Oder ökonomisch gesprochen: Die Grenzbelastung der Arbeit duch die Transferentzugsrate muss herabgesenkt werden.

Klingt plausibel - hat aber einen entscheidenden Schönheitsfehler: Denn die Fläche unter der Kurve der Grenzbelastung der Arbeit entspricht den Steuereinnahmen, wenn ich die Grenzbelastung für den einen herabsenke, muss ich sie für den anderen erhöhen, das verlangen die Gesetze der Mathematik. Politisch gesprochen heißt das, dass ich die Steuern erhöhen müsste oder aber die Sozialleistungen herabsenken - beides sehen die JuLis in ihrem Konzept explizit nicht vor und so klafft da eine gewaltige Finanzierungslücke.

Soviel zur Theorie, nun zur Praxis: Auch da sieht es nicht besonders günstig aus für die Idee einer negativen Einkommensteuer. Befürworter, wie beispielsweise Hans-Werner Sinn, verweisen immer auf den Familienvater mit Ehefrau und zwei Kindern und rechnen vor, dass er sich durch gering entlohnte Arbeit nicht wesentlich besser stellt. Das mag richtig sein, nur sollte man dabei immer im Hinterkopf behalten, dass der Anteil der Haushalte mit Vater, Mutter und zwei oder mehr Kindern an den ALG-II-Bedarfsgemeinschaften in einer vernachlässigbaren Größenordnung liegt. Umgekehrt gibt es viele Familien mit zwei oder mehr Kindern, deren Einkommen nicht viel höher liegt, als ALG-II-Niveau und trotzdem arbeiten. Für den typischen ALG-II-Haushalt ist der durch Steuern, Abgaben und Transferentzugsraten bedingte Lohnabstand groß genug. Also scheint das Lohnabstandsgebot in der Realität kein Problem darzustellen.

Außerdem sollte man natürlich noch berücksichtigen, dass es bei einer Negativen Einkommensteuer gewaltige Mitnahmeeffekte gibt. Die Arbeitgeber würden die Löhne absenken, weil die Arbeitnehmer Zuschüsse vom Staat bekommen. Abschätzungen zu dieser Frage haben ergeben, dass jedes durch eine negative Einkommensteuer neu geschaffene Beschäftigungsverhältnis den Staat unterm Strich 40.000 € kosten würde - und dies unter relativ optimistischen Annahmen.

Außerdem vernachlässigt dieses Konzept in der Realität existierende Probleme:
- Viele ALG-II-Empfänger sind überschuldet oder zu Unterhaltsleistungen verpflichtet. Dies ist ein gewaltiger Anreiz, keine Arbeit aufzunehmen, der gerne vernachlässigt wird.
- Außerdem verlangt eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung gewisse Grundkompetenzen, die allgemein als selbstverständlich betrachtet werden, vielen Langzeitarbeitslosen aber abhandengekommen sind. Beispielsweise ist es für solche Leute ein riesiger Aufwand, ihren wöchentlichen Einkauf zu organisieren. Da kann man so viele Anreize setzen, wie man will, so lange solche Fähigkeiten nicht neu erlernt werden, werden diese Leute keine Arbeit finden.
- Letztens sortieren viele Arbeitgeber Bewerbungen von Leuten, die eine gewisse Zeit lang arbeitslos waren von vornherein aus, laden sie gar nicht erst zum Bewerbungsgespräch ein - Unternehmen haben ein begrenztes Zeitkontingent.

Es gab in der Vergangenheit, beispielsweise unter der Regierung Kohl, eine ganze Reihe an Förderprogrammen für Langzeitarbeitslose, die im wesentlichen auf eine negative Einkommensteuer hinausliefen: Arbeitgebern wurde manchmal bis zu 50% des versprochenen Lohnes erstattet. Resultat jedesmal: Die für die Programme vorgesehnen Mittel wurden nicht abberufen.

Fazit: Das Problem der Arbeitslosigkeit ist komplizierter, als es auf ein Problem von Fehlanreizen zu reduzieren, wie dies das Konzept der JuLis tut.

Liebe JuLis, so jeder Ökonom hat sich in seinem Leben einmal über die negative Einkommensteuer mal Gedanken macht, die Idee ist keinesfalls neu. Dass sie praktisch nirgendwo umgesetzt wurde (abgesehen von einigen partiellen Programmen, bespielsweise der Labour-Regierung im Vereinigten Königreich), muss einen Grund haben. Denkt mal drüber nach.

AD Christopher: Die JuLis

AD Christopher: Die JuLis sind junge Menschen, die in ihrer Freizeit für eine bessere Welt mit mehr Gerechtigkeit und Zukunft streiten. Deutschlandweit mit mehr als 10.000 Mitgliedern, zahlreichen Mandatsträgern in Kommunalparlamenten, Landtagen, Bundestag und Europaparlament. Unter Rot-Grün hatten wir ein Maximum der Massenarbeitslosigkeit seit dem 2. Weltkrieg, die Armutsschere ist immer weiter aufgegangen und die Staatsverschuldung weiter explodiert. Ich verstehe die GJ nicht: Ihr lobt die zweifelsohne vorhandenen Ergebnisse eurer Regierungszeit und wollt gleichzeitig das Rad zurückdrehen?

AD Anonymus: Wir sind z.B. im Gegensatz zu den Jusos ein vollkommen eigenständiger "Verein" und keine Unterabteilung einer Partei. Wer den JuLis beitritt, muss nicht FDP-Mitglied sein und umgekehrt. Aus der personellen, strukturellen und inhaltlichen Trennung folgt auch eine strikte finanzielle Trennung. Daher erheben die JuLis eigene Beiträge, weil wir (zumindest in Thüringen) keinerlei Parteizuschüsse bekommen. Das gilt z.B. auch für die Liberale Hochschulgruppe. Damit sichern wir unsere Unabhängigkeit, weil wir auch keine "Kampftruppe" unserer Mutterpartei sein wollen. Ich empfinde deine Kritik an solchen internen Dingen übrigens als sehr befremdlich.

AD Patrick: Zur Wahrheit gehört natürlich, dass der Grundsockel um 1/3 gesenkt wird. Ansonsten ist deine ökonomische Bewertung natürlich korrekt. Bei einem zu flachen Anstieg im "negativen" Bereich (Kombilohn) hätte man natürlich die gleichen Anreizprobleme inkl. Mitnahmeeffekte wie eine quasi-konfiskatorische Steuer im positiven Bereich. Es geht natürlich um ein intelligente Ausgestaltung. Dennoch zählt erst einmal die Richtung: Dahinter steht nämlich die Philosophie, dass jede Arbeit in Deutschland und jeder Mensch in Deutschland gebraucht wird! Jeder, der Arbeit in "gute" und "schlechte" Arbeit einteilt, teilt auch die Menschen in "gut" und "schlecht" ein. Das ist absurd, zumal es ja abhängig von einem willkürlich gesetzten Mindestlohn ist. Das macht die Idee eines Bürgergeldes durch seinen fließenden Übergang nicht.

Bürgergeld und Rot-Grün

Nun, Felix, es ist wahr, unter Rot-Grün war die Arbeitslosigkeit höher, als sie jetzt ist. Dass zum ersten Mal seit der Ölkrise im Jahre 1973 der Trend steigender Arbeitslosigkeit umgekehrt werden konnte ist jedoch, und da sind wir uns doch wohl einig, nicht der Politik der Regierung Merkel zu verdanken. Willst du bestreiten, dass die Agenda 2010 und die Hartz-IV-Reformen der Regierung Schröder einen ganz wesentlichen Anteil an dem erfreulichen Trend sinkender Arbeitslosenzahlen hatte? Das tut nämlich, abgesehen von der Linkspartei und dem linken Flügel des DGB kaum noch jemand.

Und wenn wir von Rekordarbeitslosigkeit reden, so sollten wir auch nicht vergessen, dass dies auch auf statistische Effekte zurückzuführen war, die dadurch bedingt waren, dass ehemalige Sozialempfänger nun ALG II empfangen und somit offiziell arbeitslos gemeldet sind.

Ich muss gestehen, ich habe mir euer Konzept vom Bürgergeld nicht selbst durchgelesen, man kann ja nicht alles lesen, allerdings hat mir das euer Landesvorsitzender für Programmatik in Niedersachsen mal erklärt. Ich hatte das so verstanden, dass die JuLis glauben, sie könnten so viel an administrativen Aufwand einsparen (in meinen Augen eine Illusion), dass sie in der Lage wären, höhere Leistungen zu garantieren. Dass auch ihr, analog zu Prof. Sinn den Grundsockel um 1/3 absenken wollt, war mir nicht bewusst. Das macht die Finanzierbarkeit des Konzeptes zwar war wie vor fragwürdig, aber immerhin nicht mehr utopisch.

Aber wie auch immer, dann werdet ihr mit diesem Konzept vor dem Bundesverfassungsgericht scheitern. Wie ihr sicherlich wisst, sind die derzeitigen ALG-II-Leistungen für Kinder, die 60% der Leistungen für Erwachsene betragen, kürzlich für verfassungswidrig erklärt worden. Die Begründung war zwar, dass der Bedarf nicht gesondert ermittelt worden ist, aber diesem Vorwurf müsst ihr euch ja nun auch aussetzen. Und wenn 60% des des Regelsatzes für Kinder aus verfassungsrechtlicher Sicht zu niedrig sind, dann sind 66% für Erwachsene wohl auch verfassungswidrig.

Und auf eines meiner Hauptargumente bist du ja nun auch gar nicht eingegangen: Das Problem der Langzeitarbeitslosigkeit. Die Hartz-Reformen haben bewirkt, dass Menschen, die arbeitslos werden, schneller wieder einen Job befinden bzw. sich schneller wieder einen suchen, das war jedoch der leichte Teil. Es konnte zwar verhindert werden, dass Menschen in die Langzeitarbeitslosigkeit abrutschen, nicht jedoch, dass Leute, die derzeit langzeitarbeitslos sind, wieder einen Job finden. Diese Probleme sind nämlich nicht primär Probleme des fehlenden Anreizes, sondern da spielen soziologische Faktoren eine Rolle, die in meinem letzten Beitrag angesprochen habe.

Euer Konzept hätte somit zur Folge, dass wir bereits Beschäftigten bzw. deren Arbeitgebern mehr Geld geben, nicht jedoch, dass Langzeitarbeitslose wieder eine Arbeit aufnehmen. Und es bleiben natürlich erhebliche verfassungsrechtliche Bedenken sowie eine fragwürdige Finanzierbarkeit.

Vielleicht wären ein paar Worte zum Mindestlohn angebracht: Natürlich wird ein zu hoch gesetzter Mindestlohn Arbeitsplätze vernichten. Wie jedoch empirische Studien des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, dem wissenschaftlichen Arm der Bundesagentur für Arbeit, zeigen, kann eine moderater Mindestlohn Arbeitnehmer tatsächlich besser stellen, ohne Arbeitsplätze zu vernichten. Ähnlich auch die Erkenntnisse aus der Einführung Mindestlohnes im Vereinigten Königreich im Jahre 1999, der zuerst von den Arbeitgeberverbänden heftig bekämpft wurde, nun jedoch befürworten das Arbeitgeberlager den Mindestlohn sogar.

Nein, nein im Gegenteil: Ich

Nein, nein im Gegenteil: Ich lobe ja die Hartz-Reformen als zwar handwerklich schlecht gemacht (sonst würden die Sozialgerichte ja nicht mit Klagewellen überrollt werden), aber immerhin ein Schritt in die richtige Richtung! Umso unverständlicher eben die dauernde Herumdruckserei. Langsam hat man das Gefühl, SPD und Grüne schämen sich sogar für diesen richtigen Weg. Warum denn? Steht doch dazu! Es war doch richtig.

Also dass was du aus Niedersachsen berichtest, klingt ja sehr wirr. Das Konzept ist klar formuliert und wie ich finde gut lesbar. Die Einsparung aus der Administration für neue "Wohl"taten auszugeben, ist Quatsch und nicht vorgesehen. Aber es ist Teil der grundsätzlichen Hinterfragung des mittlerweile enorm aufgeblähten Staatsapparates. Die Anforderung des Untermaßverbotes des BVerfG ist, dass das Existenzminimum gesichert wird. Dies ist im Konzept vorgesehen. Bitte nicht vergessen: Sämtliche 138 Sozialleistungen sind dann im Bürgergeld gebündelt.

Zumal, und damit ein weiterer Punkt: Diese Idee beruht natürlich auf der nicht unbegründeten Hoffnung, dadurch Vollbeschäftigung zu erzielen. Die Schattenwirtschaft beträgt in Deutschland immerhin weit über 300 Mrd. Euro! Durch das Bürgergeld gäbe es deutlich weniger Anreize schwarz zu arbeiten. Durch Vollbeschäftigung, also bei Arbeitseinkommen (egal wie hoch) + Bürgergeld stünde jeder Arbeitnehmer deutlich besser als mit Mindestlohn oder ALG II. Einkommen im Niedrigbereich zu 100 % dem Staat (Arbeitslosigkeit) oder 100 % der Wirtschaft (Mindestlohn) aufzubürden ist nicht sinnvoll: Wir sagen, es ist deutlich besser, wenn der Staat jemanden nur "halb" bezahlt, er dafür arbeitet als eine staatliche Vollalimentierung.

Das Problem der "Unvermittelbaren" stellt sich in jedem System. Beim Bedingungslosen Grundeinkommen entfällt jegliche Chance auf Arbeitsmarktintegration. Der Mindestlohn vernichtet (zumindest in der angedachten Höhe) Arbeitsplätze - gerade im Niedriglohnbereich. Vorgemacht haben es die allmählich durch den impliziten Mindestlohn (Sozialstaat) abgewanderten arbeitsintensiven Industrien (Texil u.a.) seit den 70er Jahren. Welchem Langzeitarbeitslosen, der nunmal leider zumeist eine geringere Produktivität hat, ist denn dann geholfen? Im Gegenteil: Sein Schicksal wäre staatlich verordnet betoniert. Die größte Chance ergibt sich noch beim Lib. Bürgergeld. Angeklungen ist bereits die Idee: Jeder arbeitet, egal zu welchem Lohn, bekommt aber, wenn der nicht reicht, noch etwas oben drauf. Damit einher geht natürlich die Absenkung des Eingangstarifes, wenn man nicht arbeitet. Allerdings unter völlig anderer Philosophie als heute. Sie heißt dann: Jeder wird gebraucht! Nicht: Deine Arbeit ist nichts wert. Das Liberale Bürgergeld sehe ich da wirklich als Chance, weil die Kombination aus deutlichem Leistungsanreiz (Arbeit lohnt sich) und Motivation anders wirkt als Hartz (Kontrolle und 1-Euro-"Zubrot").

Zu guter letzt noch zum Mindestlohn: Okay, in richtiger Höhe - das stimmt - schadet der Mindestlohn nicht. Nur: Finde bitte genau diesen Lohn bei den tausenden verschiedenen Teilarbeitsmärkten und Jobs! Das kommt einer Lotterie gleich. Ich frage mich da, wenn ich lese, dass die Grüne Jugend sogar einen europaweiten Mindestlohn fordert, wie man diesen Lohn ermitteln und dauernd marktgerecht anpassen soll. Soll denn in Rumänien der gleiche Mindestlohn gelten wie in Großbritannien? Ich finde das abenteuerlich. Zumal sich diese Frage ja überhaupt nicht stellt, wenn man das gleiche Ergebnis über ein Anreizsystem Lib. Bürgergeld statt Zwangssystem Mindestlohn erreichen könnte ...

Der Nachtwächterstaat

Recht lustig. Heute hatte ich eine Vorlesung in Rechtsphilosophie und es ging um Solidarität in der Gesellschaft. Mein Prof stellt dabei folgende These auf: der Liberalismus kennt Solidarität gar nicht und will diese auch nicht verwirklichen. Diese Ideologie konstruiert das Gesellschaftssystem als Nachtwächterstaat, der sich nur noch um äußere und innere Sicherheit kümmern soll, die soziale Schieflage würde sich dann schon durch den Markt regulieren lassen und alle Menschen die dabei durchs Raster fallen (arbeitslos werden, invalide sind und nicht mehr arbeiten können) haben eben Pech gehabt und sollen keine Unterstützung erhalten, dies sei ja wettbewerbsverzerrend. Er sagte dann in einem Nebensatz, dass die FDP ja gerne vor Wahlkämpfen das soziale Gewissen erkennt und mal ein paar Konzepte zusammen schmiedet, aber auch die FDP nicht im geringsten an Sozialstaatlichkeit interessiert sei und Liberalismus nur als Wirtschaftsliberalismus versteht; die BürgerInnenrechte werden dabei nur als Deckmantel genommen (wobei ich euch Julis schon anerkennen muss, dass ihr euch für die BürgerInnenrechte einsetzt und da auch glaubwürdig seid, aber die FDP als Partei sicherlich nicht! Siehe Versammlungsgesetz in BaWü, BKA Gesetz etc).

Wie seht ihr das?

Anders. :) Denn immer sind es

Anders. :)

Denn immer sind es aufrechte Liberale wie Gerhart Baum oder Burkhard Hirsch, die vor dem BVerfG Landes- und Bundesregierungen jeder Coleur in die verfassungsrechtlichen Schranken weisen! So kann man sagen: Wir machen wenigstens nicht unwidersprochen bei diesem ganzen Plunder mit: http://www.flickr.com/photos/julis_thueringen/3191584746/sizes/o/in/set-... Die Position der JuLis ist innerhalb der "Liberalen Familie" dabei sowieso unumstößlich. Mit uns ist nicht mal ein Hauch einer Aushöhlung von Bürgerrechten zu machen.

Ich finde es schade, wenn - wie beispielsweise dein Professor - immer wieder "Staat" mit "Gesellschaft" gleichgesetzt wird. Solidarität ist für uns Liberale ein großer und entscheidender Wert, siehe dazu Philipp Rösler: http://www.sueddeutsche.de/politik/544/435291/text/. Wir stehen darunter aktives Bürgerengagement, Ideen aus der Bevölkerung, privater Einsatz, Leistung und Wille - und nicht zwangsläufig von oben verordnete Glückseligkeit. Ist die Formel "Je mehr Staat, umso sozialer" wirklich immer richtig oder nicht etwas einfach?

Mindestlohn

Für die Mindestlohnargumentation lassen sich für die Pro- und Kontraseite immer wieder iwelche Studien heranziehen. Eine mit einer wirklichen Aussagekraft ist die vergleichende Mindestlohnstudie von Neumark und Washer (http://www.economics.uci.edu/docs/2006-07/Neumark-08.pdf). In dieser werden 86 Mindestlohnstudien ausgewertet und nach wissenschaftlichen und transparenten Kriterien bewertet. Dabei kommen Neumann und Washer zu dem Ergebnis, dass 2/3 der Studien ein negatives Beschäftigungsverhältnis aufgrund des Mindestlohn bestätigen. Das auf Seiten der "Positiv-Beschäftigungseffekt-Studien" wie auch auf der Seite der "Negativ-Beschäftigungseffekt-Studien" statistische Messfehler bescheinigt werden, tut der Tendenz der Aussage, dass die meisten Studien - insbesondere die Mehrzahl der wissenschaftlich sauberen Studien - zu einem negativen Effekt durch Mindestlohn kommen keinen Abbruch. Es wird oft fehlerhaftes über die Studie geschrieben und sogar als Indiz für Mindestlöhne dargestellt (http://www.linksfraktion.de/wortlaut.php?artikel=1538263355), aber lest selber:

(...)
However, the oft-stated assertion that this recent research fails to support the traditional view that the minimum wage reduces the employment of low-wage workers is clearly incorrect . The studies surveyed in this paper lead to 91 entries in our summary tables (in some cases covering more than one paper). Of these, by our reckoning nearly two-thirds give a relatively consistent (although by no means always statistically significant) indication of negative employment effects of minimum wages—where we sometimes focus on results for the least-skilled—and fewer than 10 give a relatively consistent indication of positive employment effects. In addition, we have highlighted in the tables 20 studies that we view as providing more credible evidence, and 16 (80 percent) of these point to negative employment effects. Correspondingly, we have indicated in our narrative review that, in our view, many of the studies that find zero or positive effects suffer from various shortcomings . (..)

Quelle: http://www.economics.uci.edu/docs/2006-07/Neumark-08.pdf , Seite 115

@Felix

Also was mir aus Niedersachsen gesagt worden ist, ist dass das Konzept der Liberalen Bürgergeldes vorsieht, dass alle Sozialleistungen pauschaliert und möglichst frei von Sonderregelungen ausgezahlt wird, dass die Bürger sich damit abfinden müssen, dass es nicht mehr so individuell zugeht wie vorher, aber dafür gibt es dann eben für alle mehr. So oder ähnlich der Wortlaut, wie ich ihn in Erinnerung habe. Anscheinend habe ich das falsch in Erinnerung oder es ist mir falsch erklärt worden, wie auch immer, das Grundkonzept der negativen Einkommensteuer steht zur Diskussion.

Also ganz ehrlich, das müsst ihr mir doch noch mal erklären, wie ihr gleichzeitig weniger auszahlen wollt (denn euer Konzept sieht deiner Aussage nach eine Kürzung des ALG II um ein Drittel vor) ohne dabei in verfassungsrechtliche Schwierigkeiten zu kommen. Dass auch die anderen Sozialleistungen in Zukunft pauschaliert ausgezahlt werden hat ja nun damit nichts zu tun. Da wird ja nur gegeben, was vorher an anderer Stelle genommen wurde.

Zum Thema Schwarzarbeit - die Frage ist, inwieweit es ein Phänomen ist, dass tatsächlich von Arbeitslosen ausgeübt wird. Die einschlägige Forschung ist eher der Ansicht, dass es neben einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung oder ausländischen Mitbürgern ohne Arbeitserlaubnis ausgeführt, weniger von Arbeitslosen. Soll jetzt nicht heißen, dass das gar keine Rolle spielt, aber einen wirklich wesentlichen Anteil an den von dir genannten 300 Mrd. € spielt es wohl eher nicht. Man darf sich Schwarzarbeit nicht so vorstellen, dass das in erster Linie "Nachbarschaftshilfe" bei Klempnerarbeiten sei, eine weitaus wichtigere Rolle spielt die Bauindustrie.

Der Streitpunkt, den wir haben, ist jener, ob die hohe Arbeitslosigkeit im Wesentlichen auf mangelnde Anreize beruht. Ihr sagt ja, ich sage nein, weil das Lohnabstandsgebot bei den typischen ALG-II-Bedarfsgemeinschaften im ausreichenden Maße erfüllt ist. Man kann natürlich die Familie mit zwei Kindern heranziehen, aber das ist keine typische ALG-II-Bedarfsgemeinschaft, der Anteil an gesamten Bedarfsgemeinschaften liegt im Promillebereich. Das bedeutet, dass alle Konzepte, die auf der Hoffnung aufbauen, durch verbesserte Anreize selbstfinanzierend zu sein, auf tönernden Füßen stehen. Wenn soziologische Faktoren oder Überschuldung die Menschen davon abhalten, eine Erwerbsarbeit aufzunehmen, dann kann man so viele Anreize setzen, wie man will, man kann das Problem nicht lösen, wirft aber durch entsprechende Mitnahmeeffekte sehr viel Geld zum Fenster hinaus. (Wie gesagt 40.000 € pro geschaffenem Arbeitsplatz - und das sind die optimistischen Schätzungen.)

Die Hartz-Reformen waren richtig, und ich als Grüner stehe dazu, weil sie Menschen davon abgehalten haben, in die Langzeitarbeitslosigkeit abzudriften. Der nächste Schritt muss nun darin bestehen, derzeit Langzeitarbeitslose wieder in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Dies mit Anreizen zu versuchen hat in der Vergangenheit nicht funktioniert - unter Kohl hat es Versuche gegeben, die Mittel wurden nicht abberufen. Der Ansatz muss der sein, bestimmte Grundkompetenzen wieder zu vermitteln, was durch Aktive Arbeitsmarktpolitik möglich gemacht wird. Die skandinavischen Länder betreiben das recht erfolgreich.

Letztens muss aber natürlich auch um strukturelle Maßnahmen gehen, insbesondere der Osten unseres Landes weist massive Strukturdefizite auf und so lange diese bestehen können wir das Problem der Arbeitslosigkeit auch durch eine noch so kluge Arbeitsmarktpolitik nicht lösen. Wir müssen uns von dem Gedanken trennen, dass Arbeitslosigkeit alleine auf Interventionen des Staates zurückzuführen sind. In den USA beispielsweise gibt es im erheblichen Maße verdeckte Arbeitslosigkeit, die in den offiziellen Statistiken nicht auftaucht, weil die Leute keinen Anreiz haben, sich arbeitslos zu melden, da sie keinen Anspruch auf Sozialleistungen hätten. Auch ein unregulierter Arbeitsmarkt funktioniert nicht nach dem Gesetz der unsichtbaren Hand, die Mechanismen, die dort am Laufen sind, sind um einiges komplizierter. (Ein schönes Beispiel für diese These ist der japanische Arbeitsmarkt - von staatlicher Seite praktisch vollkommen unreguliert, in der Praxis wohl der rigideste Arbeitsmarkt der Industrienationen. Es gibt keinen Grund anzunehmen, das vergleichbare Mechanismen, wenn auch in einem weitaus geringen Maße, nicht auch in anderen Ländern existieren sollten.) Kurzum: Ich denke der Sinn dieses Abschnitts ist, dass die implizite Vorstellung der JuLis, alles so liberal wie möglich, die Vollbeschäftigung kommt dann von alleine, durch die Realität wiederlegt ist.

Was das bedingungslose Grundeinkommen angeht - ich habe anfangs gesagt, dass ich dagegen bin, wie übrigens viele andere Mitglieder der Grünen Jugend auch. Es ist bei uns keinesfalls unumstritten, auch wenn leider eine (knappe) Mehrheit anderer Ansicht ist.

Ach ja, und dass die Textilindustrie aufgrund des Sozialstaats abgewandert ist, das ist nun wirklich Unfug. Ansonsten hätte sie ja spätestens nach der Welfare Reform 1996 in die Vereinigten Staaten zurückkehren müssen.

Mindestlohnstudien

Also es stimmt schon, Regressionsanalysen sind ein schwieriges Instrument, wenn man ein bestimmtes Ergebnis beweisen will, dann wird bei einem gegebenen Datensatz Mittel und Wege finden, dies zu tun. Deswegen habe ich ganz bewusst auf das IAB verwiesen, weil es als wissenschaftlicher Arm der Bundesagentur für Arbeit meiner Ansicht nach über den Verdacht erhaben ist, eine bestimmte Meinung in die eine oder andere Richtung befördern zu wollen. Auch Bert Rürup, der langjährige Vorsitzende des Sachverständigenrates, vertritt diese Ansicht. Auch er ist in meinen Augen über den Verdacht erhaben, aus ideologischen Gründen für den Mindestlohn zu sein.

Dies wird man von den meisten Studien, die Neumark und Washer zitieren, nicht behaupten können.

Und außerdem: Ich bestreite ja nicht, dass von einem Mindestlohn ab einer gewissen Höhe negative Beschäftigungseffekte ausgehen, nur sage ich eben, dass es durchaus möglich ist, einen moderaten Mindestlohn zu setzen, der einige Leute besser stellt, ohne Beschäftigungsauswirkungen zu haben. Wenn man alle Studien aus Neumark und Washer rausnimmt, die sich nicht mit dieser Frage, sondern nur mit Mindestlöhnen allgemein befassen, dann wird sich, so vermute ich, ein anderes Bild ergeben.

Und das letzte Gegenargument lieferst du ja selbst mit deinem Zitat. Viele der Studien, die negativen Zusammenhang feststellen sind statistisch nicht signifikant. Und das bedeutet, dass sie gar nichts bewiesen haben.

Mindestlohnstudien

Das mit dem ideologischen Verdächtigungen ist unwichtig. Jeder Wissenschaftler geht mit subjektiven Erwartungen an eine Arbeit heran. Wenn diese nun bestätigt werden oder nicht, jedoch wissenschaftlich sauber sind, dann spielt die Geisteshaltung keine Rolle.

Ich denke nicht, dass es den gibt und wenn es den gibt, dann hat er gar keine Auswirkungen auf irgendwelche Arbeitsverhältnisse. Und bei 7,50 Euro hätte es garantiert (weil es 10% der Beschäftigten betrifft) negative Effekte. Außerdem warum überhaupt erst so ein großes Risiko eingehen. Gar nicht davon gesprochen, wie oft der Mindestlohn vermutlich als Wahlkampfgeschenk erhöht werden würde.

"Und das letzte Gegenargument lieferst du ja selbst mit deinem Zitat. Viele der Studien, die negativen Zusammenhang feststellen sind statistisch nicht signifikant. Und das bedeutet, dass sie gar nichts bewiesen haben."

Das ist leider falsch. Du unterliegst einem Übersetzungsfehler:
In addition, we have highlighted in the tables 20 studies that we view as providing more credible evidence, and 16 (80 percent) of these point to negative employment effects. Correspondingly, we have indicated in our narrative review that, in our view, many of the studies that find zero or positive effects suffer from various shortcomings . (...)

Sorry, habe mir etwas Zeit

Sorry, habe mir etwas Zeit gelassen zum Antworten, hatte am WE zu tun.

Aber egal...ich beziehe mich natürlich auf das Zitat "Of these, by our reckoning nearly two-thirds give a relatively consistent (although by no means always statistically significant) indication of negative employment effects of minimum wages...". Meinen Englischkenntnissen zufolge, ist dies so zu interpretieren, dass viele Studien, die einen positiven Zusammenhang herausfinden, nicht signifikant sind.

Und naja, deine Beschreibung zur wissenschaftlichen Arbeit ist, tut mir Leid, schlichtweg naiv. Ich kann von mir behaupten, einen gewissen Einblick darin zu haben, wie in der Ökonomie geforscht und theoretisiert wird, und zu behaupten, dass die Geisteshaltung keine Rolle spiele, ist wirklich sehr putzig. Es gibt bei Regressionsanalysen ein hohes Maß an Spielraum, was als wissenschaftlich sauber bezeichnet werden kann, da ist vieles vertretbar, und in der Praxis sieht das dann so aus, dass man sich solange Gedanken macht, ob man vielleicht einen Fehler gemacht, bis am Ende ein Ergebnis herauskommt, welches den Erwartungen entspricht.

Und, damit gar keine Missverständnisse aufkommen, dies gilt natürlich für liberale wie linke Ökonomen gleichermaßen. Eine Studie der Hans-Böckler-Stiftung zu Mindestlöhnen oder die eines ihr nahestehenden Forschers würde ich auch nicht besonders ernst nehmen. Wenn aber das IAB oder die OECD eine Studie präsentieren, die herausfindet, dass moderate Mindestlöhne keinen negativen Beschäftigungseffekt haben, dann schenke ich dem durchaus Glauben.

meine Fresse

Ja also ich hab mich eigendlich immer als liberal bezeichnet aber was ich da lese macht mich nachdenklich. Weil viel Scheiß da drin steh wart ihr im Osten und hab gesehen wie es da "abging" wohl kaum hier werden sachen in den Dreck gezogen die nicht stimmen großres Beispeil die NPD macht auch gernre so etwas. Also lieber mehr Marktforschung bzw. Historiescheforschunegen anstellen bevor man den Mund aufreist !

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